WLAN im Flugzeug

WLAN im Flugzeug: Online sein auch über den Wolken!

Martina Roters
28.09.2020
5 Minuten

WLAN im Flugzeug ist immer noch keine Selbstverständlichkeit: Dabei erwarten vor allem jüngere Gäste, auch während einer Flugreise dauernd online sein zu können: Mailen, posten, surfen, einkaufen oder Videos gucken. Doch da gibt es erst mal ein paar Hürden zu nehmen …

Flugzeugmodus – was ist das eigentlich?

Ursprünglich war das WorldWideWeb ja ein Netz, das die Erdoberfläche mit Kabeln durchzog: von einem Server zum nächsten und von da aus zu den Endcomputern.

Später wurde das Internet dann drahtlos – über Mobilfunk. Doch genau das war auch das Verhängnisvolle – es bestand die Gefahr, dass Handywellen die empfindliche Bordelektronik der Flugzeuge störten. Kritiker beschworen Gefahren bis hin zum möglichen Absturz herauf und so bestand zu Beginn ein striktes Handyverbot im Flugzeug.

Als nun Mobiltelefone mehr und mehr Funktionen über das Telefonieren hinaus bekamen, wurden die Geräte mit einem Flugzeugmodus (auch Offline-Modus genannt) ausgestattet. Dieser schaltet sämtliche Funkverbindungen auf Knopfdruck aus – Mobilfunknetze wie GSM, UMTS, LTE, aber auch andere Funkeinheiten wie Bluetooth, NFC und WLAN.

Mittlerweile sagt selbst das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), dass Handystrahlung für moderne Flugzeuge keine Gefahr mehr darstellt. Dennoch ist man gut beraten, den Flugzeugmodus zu nutzen:

Handy aus im Flugzeug – Pro-Argumente

Internet im Flugzeug: Variante A: Versorgung vom Boden aus

In den USA schon seit vielen Jahren Standard, in Europa aber noch nicht so weit verbreitet: Ein Netz von Hightech-Bodenantennen sendet Signale an den Bordserver. Wenn es nach Elon Musk geht, verlegt man das Prinzip nun einfach in den Weltraum. Nichts anderes hat er mit seinem Starlink-Projekt im Sinn:

WLAN im Flugzeug: Variante B: Versorgung per Satellit

So langsam füllt sich der Weltraum mit Satelliten, gerade auch mit Kommunikationssatelliten. Wenn Fluggesellschaften heute mehr und mehr Kundenwünsche erfüllen und während des ganzen Flugs WLAN an Bord anbieten, dann deshalb, weil moderne Flugzeuge mittels Satellitenantennen Signale empfangen können.

Achte mal darauf, wenn du am Flughafen einen Langstreckenflieger von oben siehst. Unter diesem ovalen Buckeldeckel verbergen sich meist zwei Satelliten-Antennen, wie riesige Glubschaugen fürs Weltall. Der Bordserver verteilt die eingegangenen Signale dann an die WLAN-Zugangspunkte, wo sich die Passagiere mit ihren Handys, Tablets oder Laptops einklinken können.

Halt! Hieß es vorhin nicht, dass der Flugzeugmodus WLAN ausschaltet?
Richtig, doch WLAN darf nach Erreichen der Reiseflughöhe wieder eingeschaltet werden – Bluetooth übrigens auch.

Bisher wurde die Möglichkeit nur auf längeren Strecken angeboten, doch im Wettstreit um Kundenzufriedenheit bieten mehr und mehr Airlines Internet auch für Kurz- und Mittelstrecken an.

Über der Wolkendecke ist der Empfang meist gut, weil keine Wasserpartikel den Signalempfang beeinträchtigen. Ein Wermutstropfen bleibt dennoch: Wie am Boden hängt die Signalstärke davon ab, wie viele Personen sich gerade im WLAN befinden. Auch kann die Verbindung mal ein paar Sekunden aussetzen, wenn der Satellit gewechselt wird.

WLAN im Flugzeug

Und die Kosten? Willkommen im Tarif-Dschungel!

Manche Airlines bieten gar kein WLAN an Bord an, viele stellen das Bordinternet nur auf der Langstrecke zur Verfügung.

Für Business Class gibt es häufig ein gewisses Quantum WLAN inklusive (Zeit oder Volumen). Bei manchen Airlines bekommen auch Economy-Passagiere „Internet-Häppchen“ gratis (vermutlich ein geschäftstüchtiger Schachzug: Wer mal angefangen hat, der kauft vielleicht noch hinzu).

Eine Stunde WLAN kostet so zwischen 5-10 EUR, wobei manchmal auch nach der Datennutzung unterschieden wird. Klar, dass Filme streamen viel teurer kommt als E-Mail checken.

Volumentarife sind oft undurchsichtiger als Zeittarife, denn die Zeit hast du einfach im Blick, aber bist du immer sicher, dass dein Smartphone keine unerwünschten Downloads vornimmt?

Auch die Laufzeit kann wichtig sein: Gilt der Tarif ab erstmaligem Anmelden oder während des ganzen Flugs?

Tipp: Telekom-Kunden können bei manchen Tarifen (zur Zeit ab Magenta Mobil M) eine Gratis-Option für WLAN im Flugzeug vor Flugantritt hinzubuchen (Inflight Europa Flat). Gilt für Kurz- und Mittelstreckenflüge von Lufthansa, Eurowings und Austrian Airlines. Für Social Media und E-Mail-Check reicht die Geschwindigkeit aus (600 kbit/sec).

Also am besten schon bei der Buchung nach den genauen Konditionen für das Bord-WLAN erkundigen. Auf dieser Seite gibt es schon mal einen Überblick.

Bord-Internet der Zukunft? Lifi statt Wifi – Wann kommt das Licht-Internet an Bord?

Eine Zukunftstechnologie hat bereits die Startbahn verlassen und abgehoben: Ende 2019 testete Air France auf Flug AF6114 optisches WLAN, d. h. eine Datenübertragung durch Lichtwellen. Mit an Bord waren zehn Internet-Gamer, die die Endrunde des Rennspiel-Turniers „Trackmania“ über den Wolken austrugen – und zwar mit Hilfe des neuen Licht-Internets.
Dass diese Technologie, die sich durch Sicherheit und Geschwindigkeit auszeichnet, auf dem Weg in die Praxis ist, sieht man in diesem Video (frz. mit engl. Untertiteln)

von Martina Roters

Related Posts